Gott zur Ehr´dem Nächsten zur Wehr

Jetzt war es wieder mal viel zu lange still hier. Hinter mir liegen ein paar chaotische Wochen, aber dafür melde ich mich heute mit einem ganz besonderen „Upcycling-Projekt“, auf das ich wirklich sehr sehr stolz bin. Schon länger wollte ich mir eine Tasche aus einer ausgemusterten Feuerwehrjacke nähen, bin nur leider bisher noch nicht dazu gekommen. Als ich dann aber vor kurzem im Internet über eine super erhaltene Einsatzjacke mit Gebrauchsspuren (das war mir wichtig!) quasi gestolpert bin, habe ich sie kurzerhand gekauft. Und so sah sie aus, bevor ich mich mit Schere, Maßband sowie Kreidestiften ausgerüstet und mich vor dem Kamin ausgebreitet habe..

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Tja so sah sie dann aber auch erstmal noch einige Zeit aus, während ich sie angestarrt und mir überlegt habe wie ich die Tasche denn überhaupt gestalten möchte. Wieviele Fächer? Welche Fächer mit welcher Funktion? Was schleppe ich den ganzen Tag so mit mir rum? Und vor allem: Wie möchte ich welchen Teil der Jacke in der Tasche verarbeiten? Drei oder vier Holzscheide (und einige Tassen Kaffee) später, hatte ich dann endlich den Mut die Jacke in ihre Einzelteile zu zerlegen. Mit mehr oder weniger tatkräftiger Unterstützung, wie ihr gleich sehen werdet..

Das war echt eine Menge Arbeit und mindestens die gleiche Menge Sauerei. Mit der ich übrigens nicht gerechnet hatte.. Ich hab im Internet lange nach einem Schnittmuster gesucht, eins gefunden und mich hinterher arg darüber geärgert. Echt selten ein so wirres, abgehaktes und zusammengewürfeltes Ebook gesehen .. aaaber .. Chaos bin ich ja gewohnt, also in die Tonne mit der Anleitung und selber denken. Ich habe mir während des Zuschneidens und wirklich vorausschauende Gedanken gemacht, wie ich möglichst viel der ursprünglichen Jacke erhalten bzw. in die Tasche integriegen kann. Danach habe ich dann meine Tascheneinzelteile auf die Jacke gezeichnet und natürlich ausgeschnitten. Ich konnte die komplette Außentasche aus der äußeren Schicht der Einsatzjacke gestalten. Dabei habe ich die vorhandenen Taschen erhalten und wieder integriert.

Der vordersten Teil der Tasche, die Klappe quasi, besteht aus einer der vorderen Seitentaschen der Jacke. Total praktisch fürs Handy finde ich. Der Klettverschluss, mit dem die Tasche verschlossen wird ist, wie bei allen weiteren auch, original von der Jacke. Sogar die Lasche zum befestigen der Handschuhe habe ich in der Tasche belassen. So kann ich direkt meinen Schlüssel daran befestigen und habe ihn griffbereit. Auch die Reflexstreifen sind genau so belassen und wieder verarbeitet. Lediglich den Schriftzug „Feuerwehr“ habe ich nachträglich aus Reflexfolie geplottet.
Auf der Rückseite der Außentasche habe ich die Brusttasche der Jacke integriert. Auch hier ist der Klettverschluss original von der Jacke. Ich habe die Tasche nur ein bissle kleiner genäht, weil im Orininal sogar das Funkgerät darin Platz hätte.
Unterhalb der Taschenklappe vorne habe ich eine Tasche aufgesetzt, auf die ich wiederum eine kleinere, passend für einen Stift, aufgesetzt habe. Eine Steppnaht teilt diese aufgesetzte Tasche in zwei kleinere Taschen auf.

Auch die Seitenteile meiner neuen Tasche habe ich aus der Jacke und natülich nach meinen Vorstellungen gestaltet. Ich wollte hier ein Fach für eine Flasche anbringen, damit eine Getränkeflasche nicht nur griffbereit sondern auch aufrecht getragen werden kann. Dazu habe ich ein Gummiband eingezogen und die Tasche aufgesetzt. Die zweite Seite ziert der Verstellriegel des Originalärmels und ein Karabiner, an dem ich noch irgendetwas befestigen werde. Was weiß ich allerdings noch nicht. 😀

Die Befestigung für das Gurtband habe ich übrigens ebenfalls aus dem Außenstoff der Jacke gefertigt und wie euch bestimmt schon aufgefallen sein dürfte habe ich so viel von den Reflexstreifen verarbeitet, dass ich damit auch im Dunklen auf jeden Fall weit sichtbar bin. Sieht also nicht nur genial aus meine Tasche und trumpft mit enormen Stauraum (*räusper* den ich im Leben nie voll bekommen werde, weil ich eigentlich nie viel mit mir rumschleppe) sondern sie bietet auch noch ne Menge Sicherheit jetzt in der dunklen Jahreszeit. Top oder?


Alle Teile der Außentasche habe ich mit Vlieseline verstärkt. Ich mag´s nicht so gern, wenn Taschen so endlos steif, nicht knautschbar sind, aber so ganz labberig sollte sie natürlich auch nicht sein.
Die innenseite der Tasche besteht komplett aus dem Futter der ursprünglichen Innenjacke. Lediglich die Membran für den Feuer- bzw. Hitzeschutz habe ich entfert. Diese Teile habe ich nicht noch einmal extra verstärkt, weil sie eh leicht gepolstert sind. Dieses aufgesteppte Futter habe ich mit samt dem Innenfutter als eins verarbeitet.

Die Vorderseite der Innentasche habe ich so platziert, dass die Innentasche der Jacke eine zusätzliche kleine Innentasche bildet. Äh.. War das jetzt verständlich? *grübel* Na jedenfalls habe ich auch hier die Originaltasche erhalten und in die neue Tasche integriert.
Seitlich habe ich ein Gummiband angebracht, dessen eines Ende fest vernäht und das zweite mit einem Druckknopf angebracht/gelöst werden kann. So kann ich auch mal eine kleine Flasche (oder meinen Schirm) innerhalb der Tasche fixieren ohne, dass der Inhalt sich in meiner Tasche verteilt.

Die hintere Seite bekam ebenfalls eine aufgesetzte, zweigeteilte Tasche. Dazu habe ich noch einmal ein Stück der Außenjacke verwendet. Eine Seite der Tasche wird hier mit einem Reißverschluss verschlossen, die Andere mit einem Druckknopf. Zusätzlich habe ich noch eine weitere Teilung eingearbeitet, die den Tascheninnenraum in zwei größere Fächer gliedert. Damit auch dieses Fach ein wenig verschlossen oder zusammengehalten werden kann, habe ich aus einem Reflexstreifenstück eine Lasche angenäht, die mit einem Anorakdruckknopf verschlossen werden kann.

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Was sagt ihr? Ist die Tasche nicht stark geworden? Nicht nur, dass diese Tasche ein absolutes Einzelstück ist, auch das Material an sich, also die Einsatzjacke hat eine ganz eigene Geschichte. Sie ist mit einem Kamerad durch viele Einsätze, durch viele Feuer, durch viele Übungen gegangen und begleitet mich jetzt den Rest ihrer Zeit im Alltag. Das ist so faszinierend, so spannend. Ich finde wirklich, dass sich die vielen Arbeitsstunden, die ich in diese Tasche investiert habe, gelohnt haben. Entstanden ist ein absolutes Lieblingsstück, auf das ich wirklich wirklich stolz bin und das ich schon jetzt nicht mehr missen möchte.

In diesem Sinne: Kameradschaftlicher Gruß!

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5 Gedanken zu “Gott zur Ehr´dem Nächsten zur Wehr

  1. Liebe Svenja, da hast du ja wirklich ein ganz tolles Unikat gezaubert, auch wenn ich mit der Feuerwehr nichts am Hut habe, sind Idee und Umsetzung absolute klasse!!! Wirklich richtig genial!!! Deine Ideen sind ja sowieso immer super, ich bin mit meiner Krabbeldecke mit der Robbe auch noch soooo glücklich und die ist schließlich auch erst entstanden nachdem ich deine mit dem Teddy gesehen hatte!! Weiter so!
    Ganz liebe Grüße
    Bea

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      1. Hm, meistens brauch ich aber eine gehörige Portion an Ideen, sprich in gucke ab, manchmal ist die Umsetzung dann auch gut aber die Idee nicht ganz von mir 😉

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